Squatter, Slum? Warum Kolkata und dort Park Circus, Topsia? MISEREOR? Fastenaktion?

Ich will versuchen, ein paar Hintergründe zu meiner Reise zu klären.

Indien ist interessant, vielseitig, abwechslungsreich und hat viel interessantes zu bieten. Das ein oder andere habe ich mir im Laufe der Jahre angesehen. Mumbai und die Elephanta caves, Rajasthan (dort ist es in etwa so, wie wir Europäer uns Indien im Allgemeinen vorstellen), das Taj Mahal, Kerala und seine Backwaters (ein riesiger Spreewald) und vieles mehr. Nach Indien treibt mich jedoch anderes. So begann ich vor 15 Jahren eine WorldVision Kinderpatenschaft (dazu später mehr) und entschied mich 2009 dieses erstmalig zu besuchen. Ich wusste damals noch nicht, dass daraus eine Regelmäßigkeit werden sollte.

Was hat das nun mit MISEREOR und Kolkata zu tun? Bis 2013 arbeitete ich in einem Heilpädagogischen Kinder- und Jugendheim der Caritas. In der Fastenzeit sah ich es immer als eine meiner Aufgaben an, mit den betreuten Kindern und Jugendlichen an den jährlichen Fastenaktionen teilzunehmen. Um einerseits mit ihnen „über den Tellerrand“ zu schauen und anderseits auch anderen zu zeigen, dass diese Kinder „nicht nur nehmen“, sondern auch Verantwortung wahrnehmen, etwas zurückgeben. Wir haben uns in dieser Zeit mit den Problemen anderer beschäftigt, mit allen Sinnen versucht uns diesen zu nähern. Der Höhepunkt war dann immer ein gemeinsamer Abend mit Gästen aus der Gemeinde und einem Gast aus dem jeweiligen Projektgebiet mit landestypischen Essen und verschiedenen Aktionen zur Unterstützung des Projekts. Und so war auch Shafkat Alam aus Kolkata bei uns und bei meinem nächsten Besuch in Indien war für mich klar, dass ich das Projekt besuchen, unseren Kindern Bilder von dort mitbringen und den dortigen ihre Grüße übermitteln muss. Seit dem lässt mich (u.a.) Kolkata nicht mehr los.

Die Organisation Tiljala Shed arbeitet dort u.a. in den Squatters und Slums der Region Park Circus (an den Eisenbahngleisen) und Topsia (die canal squatters) mit der dortigen überwiegend muslimischen Bevölkerung. Slum? Squatter? Pavement Settlements? Schon mal gehört? Wie stellt es sich dar? Slums sind legale Wohnviertel, sozusagen mit einer Adresse, zum Teil „feste“ Bauten. Es gibt (offene) Abwasserkanäle, Wasser (nicht in den Unterkünften, aber 2x am Tag an bestimmten Stellen aus einer freiliegenden Leitung. Sie sind legal. Squatter: illegal (keinerlei Bleiberecht, meist auf Bahngelände und können damit jederzeit einfach zusammengeschoben werden), keine Abwasserkanäle, kein Wasser, meist sehr instabile Bauten. Pavement Settlements sind die Zeltplanen am Straßengeländern, Bäumen etc. Die Familien leben meist als sogenannte Ragpicker (Müllsammler), zerschlagen Batterien um an die wertvollen Inhaltsstoffe zu kommen, schneiden Teile für Sandalen zurecht.

(U.a.) MISEREOR engagiert sich in dieser Region. Wenn ich vor Ort bin (meist in der Fastenzeit), ist es mir ein Anliegen, die Thematik der jeweiligen Fastenaktion auch dorthin zu bringen, mit den Kindern und Jugendlichen daran zu arbeiten. Sie spüren zu lassen, dass man an sie denkt, auch wenn sie nicht aktuelles Projekt sind. Und mit ihnen ebenfalls „über den Tellerrand“ schauen. So engagierten sie sich im letzten Jahr für Brasilien, unterzeichneten gegen das dortige Staudammprojekt, durch welches viele der dortigen Ureinwohner in ihrer bloßen Existenz bedroht waren. Und wir arbeiten gemeinsam am Thema „Menschen- und Kinderrechte“ und es entstanden „Flaggen der Gerechtigkeit“. So schlugen wir eine MISEREOR-Brücke von Kolkata über Deutschland nach Brasilien. Kinder, welche vom MISEREOR-Engagement profitieren, engagieren sich für andere Bedürftige.

Mehr zu Tiljala Shed: https://www.facebook.com/tiljalashed/ und http://tished.org/

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